Sonntag, 5. Juni 2016

Und so einfach ist es gar nicht...Big Foots Story Teil II

Big Foot 2016 Berlin
Wenn ich heute zurück schaue welcher Weg hinter uns liegt und, dass wir heute seit über 3 Jahren dort sind wo ich es mir nie erträumt habe zu sein, emotional und mit Big Foot... Aber trotzdem erinnere ich mich noch sehr genau daran wie steinig und schwierig der Weg war, trotz der starken Bindung...
Aber zurück zu dem Punkt an dem wir aufgehört hatten.
Es war nicht so, dass ich gesagt habe "Okay, ich mag den Hund, der Hund mag mich, den nehme ich jetzt einfach mit". Sehr lange habe ich gegrübelt, ob es das Richtige ist, ob ich dem Hund damit einen Gefallen tue. In der Zeit bin ich den Tierschützerinnen dort glaube ich unheimlich auf den Keks gegangen mit dem Thema, weil ich unbedingt ihre erfahrene Meinung dazu haben wollte. Denn eins wusste ich auch, nach der Schule würde es für mich nach Berlin gehen. 
Eine von ihnen, die wundervoll taffe Anne, hatte selber 5 Kangals. Und auch wenn Big Foot kein reinrassiger ist, so war für alle dort sofort klar es steckt einer mit drin. Und das stellte sich dann auch im Gespräch mit den Dorfbewohnern heraus. Denn wir hatten gefragt, ob jemand wüsste wem der Hund gehört (er gehörte niemandem). 
Dann stellte sich natürlich die Frage, kann man einen Hund der so lange auf der Straße aufgewachsen ist, so eine brisante Mischung(Jagdhund-Herdenschutzhund) wirklich mit nach Deutschland, nach Berlin nehmen? Als Außenstehender würde wahrscheinlich alles "NEIN" schreien, und dessen war ich mir durchaus bewusst und das war auch genau das was mich so lange hat zögern lassen und weshalb mir die erfahrenen Meinungen der Mädels vor Ort so wichtig waren. 
Am Tag des Abschieds 2012 Türkei
Ich erinnere mich noch an einen Abend an dem ich mit Big Foot auf mir drauf auf der Liege lag und wir alle gemeinsam den Sonnenuntergang anschauten, und eine Tierschützerin sagte:  
"Ganz ehrlich Janine, der würde mit dir auch unter der Brücke leben!"
Und Recht sollte sie behalten(wenn es auch nicht die Brücke wurde, aber für Big Foot war es tatsächlich egal wo wir wohnten).
Besonders mit Anne hatte ich viel über das Thema gesprochen, weil sie mir eben auch die möglichen Komplikationen aufzeigte, aber auch sie war Pro . Tja und dann nach langem hin und her, war die Entscheidung gefallen. Wenn Big Foot will und bleibt, wird er ein Hauptstadthund.  Wenn er zwischenzeitlich wieder geht, dann soll es so sein. Ihm ging es nicht um Futter, denn das gab es vorher dort auch schon für ihn, trotzdem ging er immer wieder lange Zeit weg. Mir fällt es heute noch manchmal schwer zu glauben, dass dieser wundervolle Hund sich ausgerechnet mich ausgesucht hat und mir so das Leben gerettet hat und mein Leben und mich selbst um 180° gedeht hat.

Nachdem die Entscheidung gefallen war, kamen die nächsten Hürden.
So einfach ist es eben gar nicht einen Hund aus der Türkei mit nach Hause zu nehmen, jetzt mal nur von den Vorschriften gesprochen. Die Türkei gehört nicht zur EU und unterliegt deshalb strengen Auflagen zur Einfuhr nach Deutschland. So zum Beispiel die Pflicht des Titernachweises für Tollwut, heißt es müssen Antikörper gegen den Tollwutvirus laboratorisch im Blut nachgewiesen werden und die dürfen einem bestimmten Wert nicht unterliegen. Das gilt dann quasi als Nachweis für die erhaltene Tollwutimpfung. Dieser Test muss 3 Monate alt sein, damit der Hund ausreisen darf.

Uff, wie machen wir das jetzt? Drei Monate konnte ich nicht am Stück dort bleiben, oder ich hätte meine Abiturausgabe verpasst(Ich sitze hier gerade und muss grinsen, weil es mir jetzt so redundant erscheint, aber damals war das natürlich eine große Sache für mich). Für mich kam nicht infrage diesen wundervollen Hund in einen Zwinger zu sperren, nur damit ich sicher sein könnte, er wäre noch da wenn ich es will. Also sprach ich mit der Besitzerin der Auffangstation und sie stimmte zu ihn draußen mit den anderen Hunden von ihr, seinem Rudel, zu lassen. So konnte er gehen wann immer er wollte.
Big Foot und ein Teil seines Rudels (vlnr):Muffin, Moppel, Big Foot, Blacky


Aber das tat er nicht, er blieb. Und dann kam irgendwann der Tag der Abreise...Es war so schwer. Keiner wusste ja, ob er wirklich noch da sein würde, wenn ich in anderthalb Monaten wiederkommen würde(denn ich hatte geplant direkt nach der Zeugnisausgabe wiederzukommen). Diese Ungewissheit war so furchtbar, aber ich muss sagen ich wurde gut up to date gehalten als ich wieder in Deutschland war. Nichtsdestotrotz war es eine Mischung aus Sorge, Angst, Hoffnung und Vorfreude...Es waren anderthalb Monate auf heißen Kohlen. Vorallem weil es zwischenzeitlich nochmal wirklich brenzlig für sein Leben wurde...
Denn in meiner Abwesenheit kam es warum auch immer zu Schussvorfällen. Ein Nachbar hatte mehrfach auf Big Foot und sein Rudel geschossen und drohte sogar sie zu töten, weil er der Meinung war Flecky(eine Staffhündin aus seinem Rudel) hätte Hühner geklaut. Darüber wurde ich sofort informiert und erhielt hier in Deutschland einen halben Herzinfarkt... Dann haben wir darüber gesprochen wie agiert werden würde diesbezüglich, frei rumlaufen war keine Option mehr. Also kam Big Foot zwei Wochen vor meinem nächsten Besuch in einen der großen Ausläufe um ihn zu schützen. 
Meine Intuition war richtig, er litt sehr darunter...

Fortsetzung folgt...

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